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Coaching und Tierkommunikation Hamburg Bergedorf | Warum Brustgeschirr
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Warum Brustgeschirr

Warum Brustgeschirr

Warum Brustgeschirr und lange Leine?
Ich arbeite, wie viele meiner KollegInnen, ausschließlich mit Brustgeschirr und langer Leine (ca. 3 Meter). Was sind die Vorteile von Brustgeschirr und langer Leine? Klinische Studien haben bewiesen, dass viele Hunde durch Halsbänder gesundheitliche Probleme bekommen. Da auch der gut erzogene Hund ab und zu an der Leine zieht – oft ist es aber auch der Mensch, der zieht – kommt eben doch immer wieder mal Druck auf den Hals und das kann sehr unangenehme – gesundheitliche oder verhaltensproblematische – Folgen haben.
1. Ein gut sitzendes Brustgeschirr schont die Halswirbelsäule Ihres Hundes. Wenn der Hund mal in die Leine springt, überträgt sich so ein Ruck immer auf die Wirbelsäule. Das Halsband drückt zwischen zwei Wirbel auf die Bandscheibe, Bandscheibenvorfälle werden dadurch provoziert, je nachdem wie oft und wie stark an der Leine geruckt wird (was wir allerdings nicht tun). Hunde können ebenso wie Menschen am HWS-Syndrom leiden.
2. Der Kehlkopf und die Halsmuskulatur werden durch ein Brustgeschirr geschont. Der Druck auf den Kehlkopf ist für Hunde sehr unangenehm und oft schmerzhaft. Beeinträchtigungen der oberen Atemwege, Kehlkopfquetschungen und Verspannungen in der Halsmuskulatur sind auf Dauer ohne Brustgeschirr kaum zu vermeiden. Die Folgen sind wie beim Menschen: Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Schmerzen in der Wirbelsäule. Ein Hund kann uns aber nicht sagen, wenn ihm schwindlig ist oder er an Kopfschmerzen leidet. Aggressives Verhalten kann eine Folge von dauerhaften Schmerzen sein. Durch klinische Studien wurden diese Auswirkungen untersucht und bestätigt (Anders Hallgren, Rückenschmerzen beim Hund, animal learn Verlag).
3. Eine Studie der American Animal Hospital Association belegt, daß der Augendruck bei Hunden augenblicklich steigt, wenn Druck auf das Halsband kommt. Wird am Brustgeschirr gezogen, ändert sich der Augendruck nicht. Erhöhter Augendruck führt aber auch wieder zu Schwindelgefühl und Kopfschmerzen.
4. Der Hals ist ein wichtiges Organ in der sozialen Kommunikation bei Hunden. Auch wir Menschen lassen nicht jeden an unseren Hals. Berührungen an der Oberseite sind häufig Dominanzgesten, das Zeigen der Unterseite kann Unterwerfung ausdrücken, die seitlichen Partien sind guten Freunden zum liebevollen Kontakt vorbehalten. Trägt der Hund ein Halsband, an dem auch noch – für ihn unkontrollierbar – herumgeruckelt wird, stumpft der Hals ab. Und stellen Sie sich mal vor, Sie haben ein Halsband an, an dem jeder X-Beliebige rucken darf, ohne dass Sie es abstellen können.
Außer diesen gesundheitlichen und sozialen Aspekten gibt noch andere wichtige Argumente für das Tragen eines Brustgeschirrs:
1. Sie mal schnell nach Ihrem Hund greifen müssen, z.B. weil er sich anschickt, auf einen unbeliebten Hund loszugehen, erwischen Sie ihn am Rückensteg des Geschirrs viel besser und schneller als am Halsband. Dies gilt ganz besonders für Hunde mit langem Fell, bei denen man das Halsband erst aus dem Gezottel heraussuchen muß.
2. Welpen muß man oft mal ganz schnell festhalten, damit sie keinen Unsinn anstellen. Wenn Sie Ihren Hund dann jedesmal am Halsband packen, ist das für ihn sehr unangenehm, weil er genau weiß: von oben kommt der Beutegreifer und der frißt mich. Er wird also versuchen, dem auszuweichen und wird vielleicht gar nicht mehr in Ihre Nähe kommen wollen. Zwar sollte man ihn auch am Brustgeschirr nicht pausenlos packen, aber es ist für Ihren Hund immer noch angenehmer als am Halsband.
3. Durch die Schmerzen, die dem Hund durch Halsbänder, vor allem Würge- und Stachelhalsbänder zugefügt werden, entstehen oft Fehlverknüpfungen mit fatalen Folgen. Stellen Sie sich vor, Ihr Hund trägt ein schmales Halsband. Sie begegnen einem Hund, den Ihrer nicht mag. Sie nehmen die Leine kurz, um einen Zwischenfall zu vermeiden, und automatisch ziehen und/oder rucken Sie am Halsband. Das tut Ihrem Hund aber weh. Er lernt also: immer wenn ich diesen Hund sehe, tut es mir weh. Glauben Sie wirklich, daß er so lernt, den anderen zu akzeptieren? Er wird eher lernen, daß der Anblick von Hunden etwas unerfreuliches zur Folge hat und deshalb auch auf den Anblick von Hunden aggressiv reagieren.
4. Viele Menschen versuchen, ihren Hund mit Leinenruck zu erziehen. Dieser Ruck wird aber häufig vom Hund als Angriff mißverstanden, dem er schleunigst ausweichen muß. Unangenehmen Dingen versuchen Hunde immer auszuweichen, gerade dann, wenn sie dadurch Schmerzen haben. In der Zeitschrift „Partner Hund“ beschrieb vor kurzem eine Physiotherapeutin, daß sie mit ihrem kleinen Sohn von ca. 4 Jahren folgenden Versuch unternommen hat: sie legte ihm ein Halsband um und ging mit ihm in der Wohnung an der Leine. Sobald Druck auf das Halsband kam, versuchte das Kind diesem auszuweichen, indem es noch mehr zog! Sie beendete den Versuch sehr schnell, da sie ihr Kind ja nicht quälen wollte. Aber sie konnte ihm nicht begreiflich machen, daß es „nur nicht zu ziehen“ brauchte, um den Druck zu vermeiden. Und genauso geht es unseren Hunden.
Ein Brustgeschirr ist dann richtig, wenn Sie folgende Kriterien beachten: Es sollte leicht, weich und anschmiegsam sein. Weder das Material selbst, noch die Vernähungen oder Verschlüsse sollten am Körper scheuern oder einschneiden. Leder eignet sich deshalb oft nicht oder muß sehr gut mit Lederpflegemitteln weich gehalten werden. Die Verschlüsse sollten so abgerundet sein, daß sie sich dem Körper gut anpassen, und sie sollten so stabil sein, daß sie nicht beim ersten Zug kaputtgehen oder Kälte nicht aushalten. Das Material sollte waschbar sein. Das Geschirr soll auf beiden Seiten zu öffnen sein, Geschirre, in die der Hund einsteigen muß, sind oft unpraktisch und nicht gut geeignet. Die Gurte, vor allem der Rücken- und der Bruststeg müssen gut und fest vernäht, so daß sie beim Laufen nicht verrutschen. Die Geschirre für den Sicherheitsgurt sind für den Alltag nicht geeignet, ebenso alle Geschirre, die lockere Teile haben, die beim Laufen rumschlackern. Wenn Ihr Hund das Geschirr noch nicht gewöhnt ist, sollten Sie es ihm nur unter Aufsicht dranlassen. Sonst kann leicht passieren, daß er es „mal etwas genauer“ untersucht.

Eine lange Leine verwenden wir aus folgenden Gründen:
1. Wenn Ihr Hund an der Leine läuft, soll er auch mal ein bißchen neben, vor oder hinter Ihnen schnuppern können. Mit einer Einmeterleine müssen Sie jedes Mal stehenbleiben oder er zieht. Das ist weder für Sie angenehm, weil Sie dann ungeduldig werden, noch für Ihren Hund, weil er Ihre Ungeduld zu spüren bekommt. Meistens werden die Hunde dann weitergezogen. Und wer hat dem Hund dann das Ziehen an der Leine beigebracht?
2. Bei kleinen Hunden reicht die kurze Leine gerade aus, um die Distanz von Ihrer Hand bis zum Rücken zu überwinden, bei großen brauchen Sie schon einen Meter um über den langen Rücken zu kommen. Sobald sich ein Ihr Hund auch nur ein bißchen von Ihnen weg bewegt oder sich bückt, muß er an der Leine ziehen.
3. Es gibt immer wieder Situationen, in denen ein Hund an der Leine geführt werden muß:
– eine Hündin ist läufig und muß abgesichert werden
– ein Rüde soll daran gehindert werden abzuhauen, weil läufige Hündinnen in der Nähe sind
– Sie gehen im Wald spazieren und Ihr Hunde würde gerne die Hasen und Rehe besuchen
– Sie gehen ein Stück an einer befahrenen Straße
– Sie leben in einer Gegend, in der Leinenpflicht herrscht und müssen mindestens einmal am Tag dort spazierengehen
In solchen Situationen muß Ihr Hund aber schnüffeln, urinieren und koten können, ohne dass Sie mit ihm im Gebüsch verschwinden müssen oder er eben pausenlos an der Leine zieht. Eine Drei-Meter-Leine, die bei Bedarf auf 1,5 – 2 Meter verkürzt werden kann, hat sich da sehr gut bewährt.
Bei Leinen empfehlen wir langlebige Fettlederleinen oder leichte, verkürzbare Kunststoffleinen, die man gut in der Tasche verstauen kann. Sie sollten allerdings darauf achten, daß der Kunststoff sehr weich ist, bzw. keine Ösen und Ringe in der Leine befestigt sind, damit Sie sich nicht an der Hand verletzen, wenn diese Ihnen einmal schnell durch die Hand gezogen wird.

© Christine Petersen